Als erstes Projekt der Stiftung ermöglichten wir einem obdachlosen Menschen aus Frankfurt am Main die Teilnahme am "Recht auf Stadt"-Forum 2021 in Bonn. Wir haben seine Fahrkosten übernommen.

Hier sein Bericht:

Recht auf Stadt Forum Bonn 3.-5.9.2021

ras forum bonnLichtschau mit Beethoven, Kreuzberger Straßen-Oper-gegen-Verdrängung und queer-feministische Möglichkeiten von Stadt und Politisches Pissen ...
Link mit 150min-Podiumsdiskussion "Träume brauchen Räume" in Textmitte!
 
Ich freute mich, dass ich die Info über das diesjährige Recht-auf-Stadt-Forum erhielt und hatte schon im Vorfeld mich mit verschiedenen Themen beschäftigt. Ich versprach mir, nicht nur im Austausch mit Leuten viel Input zu erhalten, sondern auch durch Links einiges direkt weitergeben zu können. Ich wurde nicht enttäuscht. Von den Organisatoren wurde sogar Hilfe bei Fahrt-Kosten angeboten, sodass möglichst viele interessierte Leute hätten teilnehmen können. Eine Betten-Börse machte es möglich, unkompliziert für 1 oder 2 Nächte in Bonn unterzukommen. Zu Essen sollte es selbstgemachtes veganes Essen geben, darunter u.a. Chili sin carne. Ich persönlich und eine mich begleitende Bekannte wurden sehr unkompliziert von einer netten Studenten zum übernachten und Frühstücken eingeladen.
 
Es war ein Vernetzungstreffen mit ca. 150 zumeist jungen Leuten aus ganz Deutschland, die von verschiedenen Initiativen, Bewegungen usw. kamen. Themen waren selbstorganisiertes Wohnen, Städte bzw. die Stadt Bonn aus Gentrifizierungssicht, Feminismus und Obdachlosigkeit, Dokufilme, Hausprojekt Wolkenburg Bonn, viele Dokufilme, feministischer Stadtrundgang mit 3 Stationen, usw. Das Workshopprogramm hatte 11 Seiten.
 
Ein 11-seitiges Workshop-Programm und eine interessante lange Podiumsdiskussion - Link unten - sowie eine Kreuzberger Straßen-Oper-gegen-Verdrängung und vieles mehr
 
Das Programm begann am Freitag mit einem "mapping body-territories". Um 17h konten sich die bereits Angekommenen im "World Cafe" eta eine Stunde lang austauschen. Träume brauchen Räume - aber welche? Recht auf Stadt - haben oder nicht haben? Utopie der Stadt - alles ist möglich. Kritiker der Stadt - was läuft schief? Recht auf Stadt einfordern - aber wie? An mehreren Tischen konnte man sich dabei austauschen.
 
Greenpeace und Bund-Jungend boten auch einen Vorbereitungsworkshop zum "Parking Day Bonn" am 17. September an. An diesem Tag sollten genehmigte Parkplätze genutzt werden für Info-Tische, Lounges und Bühne mit vielseitigem Programm. Das "Lagerhaus 6", ein Speicher im Hamburger Saalehafen, ist Objekt eines derzeitigen Forschungsprogramms aus historisch-kulturwissenschaftlichder Perspektive. Ein Kurzreferat soll Einblicke ins Rotlichtviertel St.Pauli/Reeperbahn geben.
 
Bericht über Initiative, die Kreuzberger Kiez dazu brachte, Oper gegen die Verdrängung zu singen: 18 Musiker, 20 Solisten, 3 Chöre aus Nachbarschaft:
Opernaufführung 12. Juni 2021 in Reichenbergerstr. in Kreuzberg mit über 1500 Zuschauenden, seit 2019 selbstgeschrieben und in vielen kleinen youtube-Stücken anzusehen: OPER gegen die Verdrängung
 
Ein farbiger Stadtplan "Aufwertung, Verdrängung und Widerstand in Kreuzberg" mit Straßennamen und farbigen Symbolen ist auf dieser Seite zu finden
 
Hier die Karte in Großformat, ursprünglich gab es zwei Karten, die aktuelle von 2018 wenn ich mich recht erinnere.
 
Die Infoflyer dazu lagen bei einer Ausstellung in Frankfurt aus im Spätherbst 2020, die auf das Jubiläum von den Westend-Häuserkämpfen seit den 1968er hingewiesen hat mit vielen Fotos, Zeitungsartikeln und einem 90min-Podcast durch mehrere Straßen und Interviews mit damaligen Aktivisten. Daran knüpfte an, die Verfilmung von Fassbinders Theater "Der Müll, die Stadt und der Tod" zu sehen und darüber zu diskutieren, wobei es dazu auch ein gelungenes Buch zweier Soziologen mit verschiedenen Essays zu  "Der Müll, die Stadt und der Skandal: Fassbinder und Antiseminitismus heute" von 2015 gibt, die auf youtube im club Voltaire 50jmin besprochen wurden, Hier wird auch auf aktuelle Entwicklungen in Frankfurt im Westend hingewiesen: "Frau Lenke wohnt hier nicht mehr - Mietvertreibung im Frankfurter Westend" ...
 
Werner S. stellte an hand der Ideen von Murray Bookchin den "Kommunalismus" vor.
 
Die 90minütige Filmvorführung "Das Gegenteil von Grau" von Matthias Coers und RaS Ruhr mit anschließender Filmdiskussion rundete den intellektuellen Teil am Freitagabend ab. Wohnzimmer mitten auf der STraße, Stadtteilläden, Repair Cafes usw. werden vorgestellt. 
 
Eine 10-minütige Lichtershow an der Fassade der alten VHS passte zur guten und feierlichen Stimmung, Begleitung durch "World BEAThoven Project":
 
Begleitende Musik zur Lichtershow am Freitagabend:
 
Podiumsdiskussion "Träume brauchen Räume - Alle zusammen gegen die neoliberale Stadt" Samstag 10-13 Mit Vertretern der alten VHS, Bündnis gegen Verdrängung und Mietenwahnsinnn Berlin und "Verein Obdachlose mit Zukunft e.V. " aus Köln. 4 Personen auf dem Podium, das 150min dauerte, aufgezeichnet wurde und hier im Original gesehen werden kann, so dass die lesende Person sich einen persönlichen Eindruck von Inhalten, Fragen, Themen und Diskurs auf dem interessanten Forum machen kann, seit 13. 9. hochgeladen :
 
Kalle von OMZ erzählte: OMZ wurde gegründet, als in Köln der erste Lockdown verhängt wurde und überall Plakate zu sehen waren: "Bleiben Sie zuhause!" Die Obdachlosen fragten sich: wo denn? Und besetzten dann auf dem Kölner Marktgelände ein Gebäude, in dem schließlich bis zu 40 Obdachlose untergebracht waren. Darin wird auf den Dokufilm "Mietrebellen - Aufreibender Kampf um die eigene Wohnung" hingewiesen.
 
Außerdem war er Mitglied im "Friedel54":
Den Friedelladen gibt nun in der Sonnenallee in Berlin.
 
Auf das OskarRomero-Haus in Bonn wird hingewiesen, wo man sich im Keller oder Dachboden treffen kann ohne Konsumzwang. Hier können z.B. "Workshops zu gewaltfreier Kommunikation" kostenlos angeboten und durchgeführt werden ohne große Kosten.
 
Bertold Brecht wird zitiert beim Thema Obdachlose: ein Ausschnitt aus "Die Nachtlager" über New York und Broadway vorgelesen.
 
Was das "Mietenwahnsinn-Bündnis" und andere Bewegungen angeht, wurde die Frage gestellt, was diese Bewegungen in dem Menschen verändert. WARUM, WIE und WOHIN sollten dabei Leitfragen für die Diskussion sein. Nach ersten Statements der vier Podiumsteilnehmer begann nach ca. 45min die Zeit mit Zuschauernachfragen.

Das Grab eines Völkermörders aus der Kolonialzeit - Dekoliale Werkstatt, Ideen, wie damit umgehen, ein paralleler Workshop.
Ebenfalls parallel zum Podium ein zweiter Mapping-Workshop: Wohnen als Care-Infrastruktur.
 
Auf Diskussionen um Einfamilienhäuser und deren Förderung oder gar Verbot ging der ebenfalls parallele Workshop vom "Unordnungsamt" ein: "Ein Häuschen mit Garten - ach, könnte das schön sein, reaktionäre Verhältnissse in Beton": städtebaulich und ökologisch verwerflich, die Lebenswelt heteronormativer Kleinfamilie mit patriarchalischen Verhältnissen als Gegenkonzept zu queer feministischer ökologischer Perspektive.
 
Street-Art-Künstlerin Sarah wollte am Samstag anhand von Bildern darstellen, wie man durch Graphik im öffentlichen Raum "Ausversehen lernen - im öffentlichen Raum" kann. Sie ist Mitglied der Hip Hop Partei "Die Urbane", nähere Infos im Internet. Der Workshop wurde am Sonntagmittag fortsetzt.
 
Samstagmittag wurde von der Gruppe Oxis der  Film "Esa gente existe" von Lateinamerikanischen Filmfestival MIRA gezeigt, der Regisseur Jimmy Valdivico beschäftige sich 2014 mit "Barrios Altos - dem historischen Zentrum Limas (Perus)".
Filmische Dokumentation über Barrios Altos, das histoirische Zentrum Limas (Perus), Esa gente existe
 
Das Kollektiv "stadtsucht" begab sich Samstagnachmittag mit #traumfabrik  beschäftigte sich mit der Stadtpromamenade von Cottbus.
 
Angeboten wurde den ganzen Samstagnachmittag bis 17h ein "Offenes Atelier".
 
Am frühen Samstagnachmittag stellte der "Bonnopoly BürgerChor - Bonn gehört uns"  im Hof seine chorisch vorgetragenen Sprechtexte über Mißständnisse und Fehlentwicklungen vor - herausgegangen aus dem gleichnamigen Theaterstück.
 
Das Thema sanitäre Anlagen insbesondere auch aus queer feministischer Sicht behandelte die Ideenwerkstatt "Recht auf Pissen" als POLITISCHES PISSSEN vom "Klo-lektiv: Gemeinwohlorientierte Stadtentwicklung e.V.", auf deren Twitter-Account man mehr Hinweise findet:
 
Isabelle K. bot Samstagnachmittag an, am "Round-Table" und am besten anhand vieler konkreter Projekte zu diskutieren, wie stadtgestalterische Prozesse aussehen, welche Erfahrungen aus dem "gelebten" Leben einer Stadt in Stadtentwicklung und Stadtplanung einfließen, wie Wissen aus Stadtverwaltung und Forschungseinrichtungen konkret genutzt werden könnte.
 
Eine Stadttour von und mit Obdachlosen bot "Stadtstreifen" von 15-17 Uhr an. Wohnungslose und ehemals wohnungslose zeigten beim Stadtrundgang Blickwinkel, die selbst alteingesessenen BürgernInnen bisher verborgen blieben. Dabei wurde auch auf die vielfältigen Herausforderungen hingewiesen, das ein Leben auf der Straße mit sich bringt.
 
Am Samstagnachmittag wurde der Dokufilm "NICHTSTADT" gezeigt: Ein Film begleitete fünf verschiedene Vereine und soziokulturelle Initiativen und dokumentierte den tiefgreifenden Wandel der Stadt Jena. Herausgekommen ist ein Independent Film über politische Partizipation, Freiräume und über die Notwendigkeit des Widerstands. 
Doku "Nichtstadt"
 
6 Jahre stadtpolitische Aktivitäten als "Stadt für Alle Bochum" will genau diese Initiative in einem Workshop am Samstagnachmittag vorstellen und "Zwischen Realpolitik und Utopie - Zusammenarbeit mit der Stadt" aufzeigen.
 
Samstagspätnachmittag bot "Werkstadt für alle - city lab" mit dem Thema "Stadt und Marginalisierung - Zusammenhänge entschlüsseln und begegnen" einen Überblick über die beteiligten Gruppen von "Recht auf Stadt", über Veränderungsmöglichkeiten an.
 
Comun - Magazin für stadtpolitische Interventionen stellt sich vor" . Die Redaktion stellt ihr Magazinprojekt vor und freut sich über jede Unterstützung.
 
Am Samstag um 19h gab es im Bonner Hofgarten eine "Demo: Träume brauchen Räume".
 
Während der Demo entspannten sich die Teilnehmenden im Hof der alten VHS bei Musik und bei Chilli con sojabasiertem Carne.
 
Der Sonntagvormittag begann mit einem Feministischen Stadtrundgang in Bonn, der in ca. 60min 3 Stationen in Bonn näher erläuterte. Der Link in diesem Text öffnet Zugang zu noch viel mehr Informationen. 
 
Parallel dazu wurde der 144minütige Dokufilm "Freie Räume: Geschichte der Jugendzentrumsbewegung" von Tobias Frindt von 2019 gezeigt, der mit den 1968ern begann und mit vielen Bildenr und Interviews eine Zeitreise bis in die Gegenwart der 2010er unternahm. Jugendzentrum als selbstorganisierte basisdemokratisches Gegenstück zu autoritären Hierarchien und Einheiten, als Pädagogik und Selbstverwirklichungsraum, aber auch die Veränderungen und Probleme bis in die jüngste Vergangenheit.
 
Nach dem Mittagessen gab es eine nette und humurvolle Abschlussspiel-Runde im Hof, wo ca 8 Pärchen mit abwechselnden Gesprächspartnern sich im Kreis verschiedenen Fragen des Wochenendes und persönlicher Eindrücke widmeten.
 
Ein reichhaltiges Programm mit vielen Themen, Aspekten, Stadtführungen, Filmen - und den Links, die ich hier im Text eingefügt habe. Wer sich die Podiumsdiskussion vom Samstagmittag anschaut, der wird einen guten Eindruck bekommen von der Atmosphäre.
 
Mich persönlich hat die Oper-gegen-Verdrängung in Kreuzberg fasziniert - ebenso wie der Stadtplan von Kreuzberg - und der Film über die Jugendzentren - aber wärmstens empfehlen möchte ich die Podiumsdiskussion vom Samstagmittag. 
Ein Dankeschön an alle vom Orgateam, an die Workshopleiter und an die über 100 Teilnehmenden aus ganz Deutschland!
 
Nachträge:
 
Interessant wäre vielleicht die Auseinandersetzung mit den Argumenten des Bauunternehmers und Millionärs Christoph Gröner, der u.a. im Berliner Immobilienmarkt aktiv ist, ein 50minütiges Interview auf Plusminus könnte man kritisch ergänzend diskutieren:
 
In ihrem Buch "Wohnwahnsinn" schildert die Soziologin Utta Seidenspinner die aktuellen Entwicklungen.
"Nordend - Ein Stadtteil wird verkauft" beschreibt den gutsituierten Frankfurter Stadttteil Nordend mit seinen aktuellen Entwicklungen aus Sicht einer FAZ-Journalistin.
"Wem gehört die Stadt" ist als Doku über Entwicklungen in Berlin zu sehen, eine schon etwas ältere Demo.
 
Fördersumme: 80,00 Euro