1. Sichtlich überrascht wirkte der Bundespräsident ...
... Frank-Walter Steinmeier, als er am Tag der Wohnungslosen in Berlin vor der Melanchthonkirche mit einem gellenden Pfeif-, Tröten und Sirenenkonzert empfangen wurde. Er verschwand dann ganz schnell in die Melanchthonkirche, wo die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe (BAG W) ihre Auszeichnung für gelingende Teilhabe in der Wohnungsnotfallhilfe in Anwesenheit zahlreicher Vertreter*innen aus Politik, Profi-Fussball und Wohnungsnotfallhilfe verlieh.
Das Bündnis gemeinsam gegen Obdachlosigkeit und Zwangsräumungen hatte Bundespräsident Steinmeier bereits vor der Veranstaltung um ein Gespräch gebeten. In der Antwort vom 9. September wird die Bitte mit Verweis auf „zeitliche Gründe“ abgelehnt.
Warum die Empörung draußen so groß war, zeigt ein Blick auf den Tag vor der Preisverleihung.
2. Am 10. September wurde im Berliner Spreebogen ein Obdachlosencamp geräumt.
Dort hatten Menschen unter einer Brücke in Zelten, unter Planen und auf Matratzen gelebt – unmittelbar in der Nähe des temporären Amtssitzes des Bundespräsidenten. Anlass war der Staatsbesuch des Präsidenten der Vereinigten Arabischen Emirate, Mohammed bin Zayed Al Nahyan, den Steinmeier in Berlin empfing. Thema des Treffens waren vor allem Waffengeschäfte. Polizei und Stadtreinigung räumten das Camp; Medien berichteten, die Sicherheitsbehörden hätten die Zelte und den Bereich des Camps als Sicherheitsrisiko eingestuft.
Natürlich hat Steinmeier die Räumung nicht selbst angeordnet. Aber er hätte seinen politischen Einfluss nutzen können, um darauf zu drängen, dass für die dort campierenden Menschen eine humane Lösung gefunden wird – eine Lösung, bei der nicht einfach ihre Zelte und ihr Eigentum vernichtet und zerstört werden, damit ein Staatsgast einen aufgeräumten Blick auf den Amtssitz bekommt.
Einen Tag später stand derselbe Bundespräsident in einer Kirche und sprach zum Tag der Wohnungslosen über die Notwendigkeit, Wohnungslosigkeit zu bekämpfen. „Sie kann und muss verhindert werden und sie muss bekämpft werden“, sagte Steinmeier.
Die Berichterstattung dazu findet ihr hier:
3. Die Preisverleihung der BAG W
Leider haben die Teilnehmer der Preisverleihung im Saal so gut wie nichts von dem tosenden Lärm mitbekommen. Steinmeier wird freundlich begrüßt und spricht in seiner Rede über Würde, Teilhabe und den Umgang mit wohnungslosen Menschen. Was am Tag zuvor unmittelbar vor seinem Amtssitz passiert ist, erwähnt er mit keinem Wort, keine Selbstkritik, keine Frage nach dem Widerspruch.
Ausgezeichnet wurden querstadtein e. V. für autobiografische Stadtführungen, der Bewohner:innenbeirat des Hauses Weissenburg in Düsseldorf für Mitbestimmung im betreuten Wohnen und Housing First Bremen (Hoppenbank e. V.) für die gleichberechtigte Einbindung von Peerberater in allen Projektbereichen.
Wer sich selbst ein Bild von der Preisverleihung machen möchte, kann die verschiedenen Beiträge nachlesen und anschauen:
Die Pressemitteilung der BAG W zu den ausgezeichneten Projekten findet Ihr hier:
https://www.bagw.de/de/presse/pressemitteilungen/s?tx_netnews_newsview%5Bnews%5D=440&cHash=f0b835db331bd35b378466be466f407b
Die vollständige Aufzeichnung der Preisverleihung gibt es hier:
https://streamyard.com/watch/kPKC6Vz2ad66
Die Rede von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier kann hier nachgelesen werden:
https://www.bundespraesident.de/SharedDocs/Reden/DE/Frank-Walter-Steinmeier/Reden/2026/09/260911-Preisverleihung-Wohnungslosenhilfe.html
Wir finden: Es lohnt sich, selbst hinzuschauen und nachzulesen. Die drei ausgezeichneten Projekte sind sehr unterschiedlich. Auch die Rede des Bundespräsidenten bietet einiges, über das sich diskutieren lässt. Entscheidet selbst, was Ihr davon haltet.
4. Die Berichterstattung vom Tag
Hier findet hier verschiedene Berichte und Beiträge:
5. Und Berichte aus unserem Netzwerk ....