Guten Tag,
heute möchte ich aufmerksam machen und einladen zum kommenden offenen Netzwerktreffen der Wohnungslosen_Stiftung vom 18.-21. März 2026 in Augsburg.
Das Netzwerktreffen richtet sich - selbstverständlich - an Menschen mit Wohnungslosigkeitserfahrung - aber ebenfalls an interessierte Bürger*innen, Sozialarbeiter*innen, Politiker*innen, Künstler*innen und Forscher*innen - und hat diesmal etwas stärker den Charakter einer Konferenz mit einem Call for Papers / Aufruf zur Mitwirkung (siehe unten stehend).
Das liegt vor allem daran, dass wir mit der Technischen Hochschule Nürnberg Georg Simon Ohm und Frank Sowa einen großartigen Kooperationspartner aus Wissenschaft und Forschung mit im Boot haben, dazu kooperieren wir erneut und gerne mit dem Augsburger Projekt Tür und Tür und erstmalig ist auch der Frauen*Salon - das Netzwerk wohnungslosigkeitserfahrener Frauen* - mit im Vorbereitungsteam vertreten.
Und wir freuen uns sehr wieder im Grandhotel Cosmopolis in Augsburg zu Gast sein zu können - ein entspannter Ort für anregende Tagungen.
Gebt diesen Aufruf gerne weiter und ermutigt insbesondere Menschen mit Wohnungslosigkeitserfahrung, sich mit einem Thema, einer Idee, einem Anliegen, einem Statement und einem Vorschlag an dem Treffen zu beteiligen. Sollte es Punkte geben, Deine Teilnahme erschweren könnten (Ortsabwesenheit, Begleitperson, Hund, Gesundheit, Sprachmittler, besondere Bedarfe, Geld etc etc) - melde Dich gerne bei uns - zusammen können wir eine gute Lösung für Deine Mitwirkung finden.
Gemeinsam mehr erreichen: Teilhabe ausbauen – Räume gestalten – Wohnungslosigkeit überwinden! ist das Motto dieser Konferenz, und wir freuen uns auf Deinen Beitrag und Deine Mitwirkung.
Herzliche Grüße,
Stefan (für das OrganisationsTeam)
https://www.wohnungslosenstiftung.org/neuigkeiten/tagung-augsburg-2026-aufruf.html





CfP Gemeinsam Tagung Augsburg 2026.pdf
Die Nicht-Verfügbarkeit von Wohnraum als gesellschaftliches Problem führt dazu, dass Situationen der Wohnungs- und Obdachlosigkeit als Abweichungen von hegemonialen bürgerlichen Normen des Wohnens und Lebens, als individuelles Versagen betrachtet werden. So bewegen sich obdachlose und wohnungslose Menschen dauerhaft im öffentlichen und quasi-öffentlichen Raum und/oder in Räumen, die ihnen zugewiesen werden und eignen sich die vorgefundene Infrastruktur auf kreative Weise an. Diese Formen der Raumnutzung werden oftmals sanktioniert, kriminalisiert und ordnungsrechtlich verfolgt.
Die gesellschaftlich wahrgenommenen Abweichungen von der als normal geltenden Lebensführung führt zu Prozessen sozialer Entwertung, Zuschreibungen und Exklusion. Der Verlust des Wohnraums wird dabei zu einem master status, der alle anderen Eigenschaften und Fähigkeiten der betroffenen Menschen überlagert. Unbehaust-Sein fungiert als soziales Stigma, das mit negativen moralischen, körperlichen oder sozialen Attributen verknüpft ist.
Obdach- und wohnungslose Menschen erfahren Ausgrenzung und eingeschränkte gesellschaftliche Teilhabemöglichkeiten. Ihnen wird häufig verwehrt, gesellschaftlich anerkannte Lebensmöglichkeiten in Anspruch zu nehmen, am Leben in der Gemeinschaft teilzunehmen, ein menschenwürdiges Leben zu führen und gesellschaftliche Normalität und Zugehörigkeit zu erleben.
Stigmatisierungsprozesse manifestieren sich in unterschiedlichen Formen von Gewalt – physisch, psychisch, sexualisiert oder strukturell – und reichen von offener Diskriminierung über institutionelle Benachteiligungen und Marginalisierungen bis hin zu sozialem Ausschluss und Entmenschlichung.
Obdach- und wohnungslose Menschen werden von der Gesellschaft ausgeschlossen. Gleichzeitig interagiert die Gesellschaft mit obdach- und wohnungslosen Menschen und verhält sich dabei ihnen gegenüber in besonderer Art und Weise. Dadurch bleiben sie Teil von ihr – sie sind gleichzeitig drinnen und draußen. So kommunizieren obdach- und wohnungslose Menschen in ihrem Alltag mit Bürger*innen, Sozialarbeiter*innen, Politiker*innen oder
Forscher*innen. In der Regel kennzeichnen Machtasymmetrien diese Beziehungen zwischen nicht-wohnungslosen und wohnungslosen Individuen.
Interessanterweise entstehen Räume der Wechselbeziehungen, in denen sowohl Ausschließung und Instrumentalisierung als auch Teilhabe und Selbstwirksamkeit von obdach- und wohnungslosen Menschen möglich sind: Auf der Mikroebene des wechselseitigen Handelns kann es einerseits zur Herstellung und Aufrechterhaltung von Benachteiligungen, Barrieren und Ausgrenzungen kommen, andererseits aber auch zur zwischenmenschlichen Kommunikation auf Augenhöhe und gegenseitigem Respekt, zum Abbau von Hierarchien und Machtunterschieden, zur Vermittlung von Ressourcen zur Teilhabe sowie zur Reduktion von Benachteiligungen und Schwellen. Das Teilhabeerleben von obdach- und wohnungslosen Menschen ist abhängig vom Ausmaß an partizipativen Praktiken, die in der sozialen Interaktion in Co-Präsenz hergestellt werden.
Auf diese Weise können ergebnisoffene Räume entstehen, in denen Teilhabechancen in tatsächliche Teilhabeprozesse überführt werden, in denen Akteur*innen Selbstwirksamkeit entwickeln, individuelle und kollektive Handlungsmöglichkeiten erweitern und sich solidarische Interessengemeinschaften und Netzwerke artikulieren können.
Die geplante Tagung „Gemeinsam mehr erreichen! Teilhabe ausbauen – Räume gestalten – Wohnungslosigkeit überwinden“ lädt dazu ein, sich diesen partizipativen Praktiken in den Teilhabefeldern Gesellschaft, Soziale Arbeit, Politik und Forschung zuzuwenden, um Erfahrungen der Teilhabe und Nicht-Teilhabe zu diskutieren und ein wechselseitiges Verstehen von unterschiedlichen Deutungen und Positionen zu ermöglichen.
Wir wollen gemeinsam über Strategien sprechen, mit denen wir ein wechselseitiges Verständnis erreichen und Beteiligung, Empowerment und Selbstvertretung weiter entwickeln können und wie wir eine nachhaltige Überwindung von Obdach- und Wohnungslosigkeit bewirken können.
Die Tagung richtet sich an Menschen mit Wohnungslosigkeitserfahrung, Bürger*innen, Sozialarbeiter*innen, Politiker*innen und Forscher*innen (aus Grundlagen-, Anwendung-, Aktions- und studentischer Lehrforschung) gleichermaßen.
Dabei geht es vor allem (aber nicht ausschließlich) um folgende Themen:
Die Ausschreibung ist themenoffen und will möglichst viele Facetten von und Perspektiven auf das soziale Phänomen der Teilhabeerfahrungen und partizipativen Praktiken vereinen und verhandeln.
Die dreitägige Konferenz soll ein geeignetes Austauschformat sein, um Menschen mit Wohnungslosigkeitserfahrungen, Bürger*innen, Sozialarbeiter*innen, Politiker*innen, Künstler*innen und Forscher*innen zusammenzubringen.
Wir erwarten erfahrungsgestützte, empirische und theoretische Beiträge und Ansätze, die auf der Tagung gemeinsam diskutiert werden können. Auch studentische Arbeiten sind willkommen. Neben wissenschaftlichen Vorträgen und Workshops sollen besondere offene Formate angeboten werden, um Gestaltungs- und Partizipationsmöglichkeiten zu schaffen und Erfahrungen, Ansätze, Methoden und Erkenntnisse öffentlich und niedrigschwellig vorzustellen.
Die Tagung dient dem Austausch, der Vernetzung, der Vorstellung und Weiterentwicklung vor innovativen Lösungsansätzen. Mit der Kooperation der Wohnungslosen_Stiftung, Tür an Tür e. V., dem Frauen*Salon und der Technischen Hochschule Nürnberg Georg Simon Ohm setzt die Tagung an der Schnittstelle von Selbstvertretung, Wohnungsnotfallhilfe, Flucht und Forschung an, um vielfältige Lebenslagen, Diskriminierungserfahrungen und Teilhabebarrieren sichtbar zu machen und gemeinsam neue Handlungsansätze zu entwickeln.
Wir wählen im Rahmen der Veranstaltung die Anrede des „kollegialen Du“, um eine vertraute und angenehme Atmosphäre zu schaffen, in der sich alle Teilnehmenden als Menschen begegnen können.
Bitte reicht Euren Vorschlag für ein Tagungsformat in Form einer Idee oder eines kurzen Abstracts ein. Folgende sieben Beteiligungsformate sind möglich:
Ihr könnt Euren Beteiligungsvorschlag und eine kurze Autor*innen-Info unter der E-Mail-Adresse
tagung-augsburg-2026 at wohnungslosenstiftung.org einreichen.
Die Deadline für den Call for Papers ist der 15. Januar 2026!
Im Anschluss an die Tagung erfolgt eine Dokumentation der Tagung in der digitalen Schriftenreihe „Prekäres Wohnen und Wohnungslosigkeit“ (ISSN: 2942-7045) der Technischen Hochschule Nürnberg Georg Simon Ohm.
Für Rückfragen steht Euch das Organisationsteam unter der Adresse tagung-augsburg-2026 at wohnungslosenstiftung.org jederzeit zur Verfügung.
Weitere Informationen sowie Anmeldung unter
https://www.wohnungslosenstiftung.org/neuigkeiten/tagung-augsburg-2026-aufruf.html
Für Teilnehmende mit Wohnungslosigkeitserfahrungen übernehmen wir Fahrt-, Unterkunfts- sowie Verpflegungskosten. Die Teilnahme an der Tagung ist kostenfrei. Andere Formen der
Übernachtung werden unterstützt. Das Mitbringen von Tieren (z. B. Hunde) ist willkommen.
Wir freuen uns auf Eure Teilnahme und eine spannende Tagung in Augsburg im März 2026!
Herzliche Grüße
Corinna Höckesfeld (Augsburg), Frank Sowa (Nürnberg), Manja Starke (Heimbach), Sophie Linßner (Leipzig), Stefan Schneider (Berlin) & Sybill Janetz (Berlin)
- Organisationsteam der Tagung -
Die Tagung wird mit Mitteln der Stiftung Obdachlosenhilfe Bayern gefördert.

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Stefan Schneider / Wohnungslosen_Stiftung
Gesellschaft für Selbstvertretung wohnungsloser Menschen
und Empowerment auf Augenhöhe gemeinnützige UG (haftungsbeschränkt)
Freistellungsbescheid vom 04.04.2023
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